Audemars Piguet erfindet die Uhr immer wieder neu

Seit seiner Gründung im Jahr 1875 im Dorf Le Brassus hat sich der Uhrenhersteller Audemars Piguet international einen Namen gemacht. In den vergangen dreissig Jahren hat sich sein Umsatz verzehnfacht.

Diese Massenproduktion wurde auch in Europa und der Schweiz übernommen. Die beiden Uhrmacher Jules Louis Audemars und Edward Auguste Piguet haben sich daraufhin zusammengetan, um ihre handwerkliche Tradition fortzusetzen», sagt Olivier Audemars, Urenkel des Mitbegründers und Vizepräsident des Verwaltungsrats der Firma.

Audemars Piguet

(Englisch)

Heute, da Übernahmen durch grosse Konzerne an der Tagesordnung sind, kann das Uhrenhaus stolz darauf sein, unabhängig geblieben zu sein. «Wenn nur auf die finanziellen Ergebnisse fokussiert wird, weit weg von dem Ort, an dem die Uhren hergestellt werden, führt dies zum Verlust des Sinnes für die Uhrmacherei.» Obwohl die Marke Audemars Piguet fest in der Region verwurzelt ist, reicht ihre Strahlkraft in die ganze Welt hinaus: Ihre Kreationen verkaufen sich in über 17 Filialen in 80 Ländern. Das Unternehmen zählt 1'600 Mitarbeitende, von denen zwei Drittel in der Schweiz arbeiten. «Im internationalen Vergleich sind wir damit ein kleines Unternehmen. Unsere Sichtbarkeit ist für uns entscheidender als unser Umsatz.»

« Im internationalen Vergleich sind wir damit ein kleines Unternehmen. Unsere Sichtbarkeit ist für uns entscheidender als unser Umsatz. »

Letzterer liegt bei etwa 900 Millionen CHF und hat sich damit seit Anfang der 1990er-Jahre verzehnfacht und seit den 1960er-Jahren um 300% vervielfacht. Die durchschnittliche Gesamtproduktivität pro Mitarbeiter und damit auch die Sorgfalt, die für jedes Stück aufgewendet wird, sind konstant geblieben. Seit seiner Gründung setzt das Uhrmacherhaus auf Innovationen. 1972 revolutionierte die Royal Oak, die erste High-End-Uhr mit einem Gehäuse aus Stahl statt aus Edelmetallen, die damals geltenden Gesetze der Uhrmacherei. «Die komplizierten Bewegungen des Uhrwerks sind fragil, wir aber wollten Modelle anbieten, die den Alltag unserer Kunden mitmachen.»

Tradition und Innovation perfekt im Gleichgewicht

Diese Leitlinie, welche die Bedürfnisse der Kunden voraussieht und sich an gesellschaftliche Veränderungen anpasst, erklärt zweifellos den Erfolg des Unternehmens. Komplexe Mechanismen, die teurer verkauft werden, begründen die positive Entwicklung der Gewinne. Eine konjunkturell bedingte Reorganisation des Unternehmens führte zur Einführung neuer Spezialisierungen, wie z.B. Zifferblatthersteller, aber auch Grosshändler.

Noch heute hebt sich Audemars Piguet durch die Verwendung von High-Tech-Materialien und das Forschen nach immer besseren Mechanismen von der Konkurrenz ab – durch die Verflechtung von Technologie und Tradition. Dieses ständige Streben nach Innovation hat zu einem Know-how und einer Exzellenz im Bereich der Mikrotechnologie geführt. Damit wurde zur Entwicklung von weiteren Sektoren beigetragen, wie z.B. der Medizin, Robotik oder der Luft- und Raumfahrt.

Die Herausforderungen der Zukunft? «Für künftige Mitarbeitende, allem voran Frauen, attraktiv zu sein, indem wir uns an die neue Lebensweise der Millenials anpassen.» So plant das Unternehmen beispielsweise die Einrichtung von Bustransfers zwischen dem Werksgelände und der Metropole Lausanne oder die Möglichkeit einer Unterbringung von Mitarbeitenden, die von weit her kommen.

Tief im Kanton Waadt verwurzelt

Trotz seines starken Wachstums wollte das Uhrenhaus immer im Dorf Le Brassus bleiben. Es vergehen keine fünf Jahre, ohne dass der Standort des Unternehmens erweitert wird. Der historische Unternehmenssitz bleibt dabei das Herzstück eines grossen Gesamtkomplexes. Und diese Entwicklung ist noch nicht zu Ende: Ende 2019 wird ein Museum und im Laufe des Jahres 2020 ein Hotel eröffnet. «Es ist uns ein Bedürfnis, zur touristischen Dynamik der Region beizutragen. Dieser Ansatz steht mit unseren Wurzeln im Einklang», erklärt Olivier Audemars.

Das Unternehmen ist gut im regionalen Wirtschaftsgefüge etabliert und arbeitet mit den Fachhochschulen der Westschweiz (HES-SO), dem Schweizerischen Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik (CSEM) in Neuenburg und in technischen Dingen (Werkstoffe, Mikrotechnik und Informatik) mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) sowie mit der Ecole Hôtelière de Lausanne zusammen. «Wir haben gelernt, unsere Kunden mit derselben Exzellenz zu betreuen, mit der wir auch die Komponenten unserer Uhren herstellen.»

Im Jahr 2016 wurde Audemars Piguet mit dem Prix Vaudois des Entreprises Internationales (PVEI) ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wird Unternehmen verliehen, die einen ausserordentlichen Beitrag zum Image und zum internationalen Profil des Kantons Waadt geleistet haben. «Der traditionelle Aspekt des Uhrmacherhauses wurde dabei genauso betont wie die plurale Herkunft unserer Belegschaft. Es ist das Zusammenspiel verschiedener Sichtweisen und Erfahrungen, die alle zusammen Innovationen ermöglichen», so die Einschätzung von Olivier Audemars.