Medizinische Diagnosen beschleunigen

Abionic ist auf die Entwicklung und Herstellung von Bluttests auf Grundlage einer Nanofluid-Technologie spezialisiert, die an der EPFL entwickelt wurde. Dieses junge Waadtländer Unternehmen hat den Übergang vom Start-up zum Scale-up geschafft und strebt eine internationale Expansion an.

In weniger als fünf Minuten und aus nur einem Tropfen Blut erhält man dank Abionic ein zuverlässiges Testergebnis. Dem jungen Unternehmen der EPFL ist es gelungen, dank seiner Technologieplattform auf Basis miniaturisierten Sensoren schnelle und zuverlässige Tests zu garantieren.

Das ist eine Revolution im Vergleich zu den traditionellen Diagnoseverfahren, die mehrere Stunden Wartezeit erfordern. Hinter dieser Technologie steht Nicolas Durand, ein junger Nanotechnologie-Absolvent der EPFL, dessen Ziel es ist, durch Reduzierung der Wartezeiten Leben zu retten. «Schwerwiegende Infektionen können in Blutvergiftungen umschlagen, was weltweit alle vier Sekunden zum Tod eines Menschen führt», erklärt der Unternehmer. Die Plattform ist einfach zu verwenden und bietet eine grosse Bandbreite an Tests. «Unsere Lösung erfordert kein spezialisiertes Fachpersonal und kann daher bei allen immunologischen Tests, wie z.B. Allergie- und Eisenmangeltests, angewendet werden.»

Umfassende Investitionen

Seit 2012 trägt das Start-up die erforderliche Zertifizierung, um seine Tests produzieren zu können. Ein wichtiger Beweis für die Glaubwürdigkeit. «Von Anfang an haben wir eine Qualitätsstrategie verfolgt und hatten immer eine internationale Ausrichtung im Sinn.» Im gleichen Jahr hat das Start-up auch die ersten Investoren überzeugt und eine Investitionssumme von 3,5 Millionen CHF erreicht.

Zwei Jahre später wurden die ersten professionellen Anwender, allen voran die Ärzte angesprochen, um die Technologie zu validieren. «In dieser Zeit haben unsere Produkte ihre ersten klinischen Tests erfolgreich durchlaufen.» Die Validierung in dieser Phase wurde mit einer neuen Fundraising-Kampagne erreicht, an der sich Schweizer und europäische Unternehmen beteiligt haben.So wurde aus dem Prototyp ein Produkt.Die ausgefeilte Produktionskette, vollständig schweizerisch und in der Nähe von Lausanne angesiedelt, erreicht eine maximale Herstellungskapazität von mehr als einer Million Tests pro Jahr.Ab 2016 startete das Unternehmen die kommerzielle Vermarktung seines Sepsis-Tests dank einer gross angelegten klinischen Studie an 14 Standorten in Europa. Seither trägt Abionic das Label «Scale-up», (das lokale Label für stark wachsende Unternehmen) und setzt die Entwicklung seiner Geschäftstätigkeit im Ausland fort.

« Es gibt zwei Hochburgen der Technologie in der Schweiz: Zürich und Lausanne. Lausanne hat sich in den Biowissenschaften spezialisiert.Der Biopôle ist dabei das Epizentrum und heute zweifellos eine der wichtigsten Stätten für die europäischen Biowissenschaften. »
22

Anzahl der gewonnenen Unternehmerpreise

40

Mitarbeitende

37 Mio

Gesamtbetrag der seit 2010 erhaltenen Finanzmittel

+10'000

getesteten Patienten

1'750 m2

Grösse der Räumlichkeiten

40

Geplante Einstellungen in den nächsten zwei Jahren

Wertvolle Hilfe durch die Standortförderung

Abionic wurde in Lausanne gegründet und profitierte von der grosszügigen Unterstützung durch die örtliche Standortförderung. Allen voran von der Unterstützung durch die SPEI. «Diese staatliche Behörde, welche hervorragend verwaltet wird, bietet eine aussergewöhnliche Unterstützung», erklärt der Gründer von Abionic, Nicolas Durand. «Sie hat uns bei der Entwicklung und Produktion unserer ersten Prototypen in den Jahren 2010-2013 begleitet und unterstützt uns auch weiterhin, jetzt allerdings in der F&E und der Produktion. Das ist ganz besonders in der ersten Phase eines Unternehmens von Bedeutung, wenn 30'000 bis 50'000 CHF durchaus einen Unterschied machen können. Ihre Unterstützung öffnet uns ausserdem die Türen für Bankfinanzierungen: Mit dem Kanton als Bürgen geht das fast wie von selbst.» Auch Innovaud ist ein entscheidender Akteur. «Das von Innovaud aufgebaute Scale-up-Netzwerk ermöglicht einen Austausch mit Gleichgesinnten. Wir konnten unsere Wachstumsphase beschleunigen, weil wir schnell gute Partner gefunden haben.»

« Die SPEI, das hervorragend organisierte staatliche Organ, bietet uns eine aussergewöhnliche Unterstützung. Ihre Unterstützung öffnet uns die Türen zu Bankfinanzierungen: Mit dem Kanton als Bürgen geht das fast wie von selbst. »

Die Unterstützung durch die Stiftung für Technologische Innovation hat ebenfalls eine entscheidende Rolle gespielt. «Wir haben von diesen drei Unterstützungsprogrammen profitiert. In der Anfangszeit hat uns das die Zeit verschafft, um unsere Ideen erst ausreifen zu lassen, dann die Investoren zu überzeugen und anschliessend die Produktion zu starten.» Über diese Starthilfe hinaus ist der Kanton Waadt mit seinem Wissenschaftspol im Bereich der Biowissenschaften in mehrerer Hinsicht interessant für Abionic. «Hier liegt ein wirkliches Health Valley, mit zahlreichen Unternehmen aus dem Bereich der Biowissenschaften. Das macht uns das Leben ganz klar leichter: Man kann schnell Meetings einberufen, Vertragspartner finden, Importkosten vermeiden... und auch für die Personaleinstellung ist das ein Vorteil.» Abionic hat sich kürzlich im Biopôle von Lausanne niedergelassen, der dem Kanton Waadt unterstellt und «heute zweifellos einer der wichtigsten Orte für die Biowissenschaften in Europa ist». Das Unternehmen hat bei seiner Niederlassung dort von günstigen Rahmenbedingungen profitiert. «Die Immobilieneigentümer hatten ein offenes Ohr für unsere Bedürfnisse und waren zu Gesprächen bereit.»